Piratenflagge

Piratenflagge
Die Piratenflagge mit Totenkopf, gekreuzten Knochen und meist in Schwarz verbreitet heute noch Angst und Schrecken auf den Weltmeeren.


 
Wer Piratenflagge hört denkt an die Farbe schwarz, gekreuzte Knochen und Totenschädel. An eine typische Piratenflagge eben. Aber jeder Pirat hatte seine eigene, unverwechselbare Flagge. In der aber recht häufig eben genau diese Elemente vorkommen. Schließlich wollte er ja bei seinem Opfern gleich Angst und Schrecken verbreiten und das ging am ehesten über den eigenen einschlägigen Ruf als Pirat.

Das berühmte Totenkopfbild mit den gekreuzten Knochen verwendete der Seeräuber Emanuel Wynne im 18. Jahrhundert. Unter dem Totenschädel auf seiner allerdings roten Flagge war noch eine Sanduhr zu sehen. Diese sollte seinen Opfern signalisieren, dass ihre Zeit nun abgelaufen war.

Die Piratenflagge war rot wie Blut als Symbol dafür, dass die Zeit derer, die diese erblickten nun endete, da die Piraten, die unter dieser Flagge fuhren keine Gnade kannten. Gefangene sollten nicht gemacht werden.

Weitere Namen für die Piratenflagge


Die schwarze Piratenflagge wird auch Jolly Roger genannt. Ein weiterer Name für die schwarze Flagge an Piratenschiffe ist, in Anlehnung an den britischen Union Jack, auch Black Jack. Ein weiterer Namen für die Piratenflagge neben Jolly Roger ist Totenkopfflagge.

Jolly Roger


Woher der Name Jolly Roger für die schwarze Piratenflagge ihren Ursprung hat, ist unbekannt. Es gibt mehrere Erklärungsversuche:
  • Bei Jolly Roger handelt es sich um eine Verballhornung des Namens des indischen Piraten Ali Rajah. In den Ohren der Briten klang Ali Rajah wie Olly Roger, das führte dann zu Jolly Roger.

  • Eine andere Erklärung versucht es mit Französisch. Joli rouge (hübsches rot), so sahen die ersten blutroten Flaggen aus, die von Piraten gehisst wurden. Und daraus entstand eben Jolly Roger.

  • Im Elisabethanischen Zeitalter (16. Jahrhundert, benannt nach Königin Elisabeth I. von England) soll in Großbritannien der Begriff Roger zudem ein Slangbegriff für Bettler und Landstreicher in England gewesen sein. Roger wären dann Seelandstreicher.


Der Begriff Jolly Roger für die Fahne der Seeräuber tauchte erstmals in einem Bericht aus dem Jahre 1724 auf. Ein Capitän Charles Johnson (vermutlich ein Pseudonym) veröffentlichte A General History of the Pyrates (Großbritannien, 1724, Eine allgemeine Geschichte der Piraten) und erwähnte zwei Piraten, Bartholomew Roberts und Francis Spriggs, die ihre Flagge Jolly Roger nannten. Dabei sollen beide Flaggen höchst unterschiedlich ausgesehen haben, wie schon erwähnt, bevorzugten Seeräuber ein unverwechselbares Design um Angst und Schrecken zu verbreiten, Jolly Roger müsse daher der Oberbegriff der Fahne gewesen sein. Das Buch, das 1728 auch in Deutschland, enthält Biographien namhafter englischer Piraten und prägte das Bild der Piraten von da an.

Old Roger – Der Teufel


Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass sich Jolly Roger von Old Roger ein Begriff für den Teufel ableitet. Es gibt wohl einen Bericht in einer britischen Wochenblatt, dem Weekly Journal bzw. British Gazetter vom 19. Oktober 1723, der die Sichtung eines Piratenschiffs vor den Westindischen Inseln schildert. Die Piraten, so heißt es in dem Bericht, der einen Vorfall von Juli beschreibt, haben eine Piratenflagge mit einem Porträt des Todes gehisst: Das Skelett habe ein Stundenglas in der einen Hand und in der anderen Hand einen Pfeil gehabt, dazu noch ein Herz darauf mit drei Tropfen Blut. Diese Flagge, so im Bericht, würde Old Roger genannt und sollte deutlich machen, dass die Piraten unter ihm leben und sterben würden. Aus Old wurde dann Jolly, den schließlich sieht der Totenkopf immer so aus, als wenn er am grinsen sei.

Geschichte der Piratenflagge


Der ganze genau Ursprung für die Verwendung der Piratenflagge ist nicht mehr bekannt.

Der erste, der eine Schwarze Flagge mit Totenschädel als Piratenflagge genutzt haben soll, war angeblich Calico Jack Rackham (1682-1720, Brite). Zu seiner Crew gehörten die zwei berühmtesten weiblichen Piraten, Anne Bonny und Mary Read. Die Nutzung der Piratenflagge durch Jack Rackham ist allerdings nicht gesichert. Seine Flagge soll neben einem Totenschädel auch zwei gekreuzte Entermesser gezeigt haben.

Es gibt zudem eine Beschreibung einer Totenkopfflagge aus dem Jahre 1687 in einem Logbuch. Hier wird ein Pirat mit einer ähnlichen Flagge beschrieben, allerdings an Land und nicht auf See. Beschrieben wird in dem Eintrag, das eine weiße Flagge niedergelegt wurde und statt dessen eine rote Flagge mit einem Totenkopf und zwei gekreuzte Knochen aufgenommen wurde und dann weitermarschiert wurde.

Gesichert ist hingegen die Verwendung der Jolly Roger mit Totenschädel und zwei gekreuzten Knochen durch den bretonischen Piraten Emanuel Wynne um das Jahr 1700. Ein Totenschädel vor zwei gekreuzten Knochen und darunter die Sanduhr.

Der Pirat Edward Teachs (Blackbeard) führte eine Flagge, auf der ein gesamtes Skelett und nicht nur ein Totenschädel zu sehen war. Das Skelett hat einen Sperr in der Hand und zielt damit auf ein blutendes Herz. In der Hand hat das Skelett eine Sanduhr, wieder ein Zeichen dafür, dass die Zeit der Opfer abgelaufen ist.

Weitere Motive auf Piratenflaggen


Weitere Motive auf Piratenflaggen war der Unterarm mit Entermesser auf der Flagge von Thomas Tews.
Die Piratenflagge mit Motiv aus Schädel, Knochen, Entermesser oder ganzem Skelett, soll, so vermutet man, die einfache blutrote Flagge als Piratensymbol ersetzt haben. Die Symbole für Tod sollten Furcht und Schrecken verbreiten. Ein Schädel und gekreuzte Knochen waren damals auch ein übliches Zeichen, um in Logbüchern den Tod eines Matrosen zu kennzeichnen.

Rote Flagge als Piratenflagge


Vermutlich wählten die Piraten die rote Flagge, da diese im 16. und 17. Jahrhundert als Quarantäneflagge häufig in Gebrauch war. Sie stand für eine Krankheit an Bord, die tödlich für die Besatzung der Schiffe sein konnte, die sich näherten. Ein ein sich näherndes Piratenschiff bedeutete ja häufig den Tod für die Besatzung der anderen Schiffe. Und da die Verwechslungsgefahr zu groß war, wurde die rote Flagge auf Nicht-Piratenschiffen schließlich nicht mehr alleine gehisst sondern in Verbindung mit dem Schwalbenschwanz. Im Arabischen Meer insistierte die britische Admiralität zudem, dass einige Länder ihre rote Flaggen so änderten, dass sie nicht mehr mit Piratenflaggen verwechselt werden konnte. Und schließlich soll die britische Marine im Arabischen Meer das Führen ausschließlich roter Fahnen verboten haben. Schiffe, die unter einer allein roten Flagge fuhren, standen nicht nur im Verdacht Piratenschiffe zu sein, sie wurden auch als Piraten behandelt.
Rote Flagge

Im Jahr 1694 wurde die rote Flagge für britische Freibeuter auch vorgeschrieben. Und als sich Großbritannien ab 1714 nicht mehr im Krieg mit Spanien befand, sahen einige Freibeuter nicht ein, warum sie ihr Gewerbe aufgeben sollten und fuhren weiter unter roter Flagge zu See und plünderten nun eben auch britische und nicht mehr nur spanische Schiffe.

Unterscheidung rote und schwarze Piratenflagge


Einige Seeräuber sollen auch immer zwei Piratenflaggen im Gebäck gehabt haben. Die rote Flagge wurde gehisst, wenn man keine Gefangenen machen wollte und sich die Gegenseite auf ihr Ableben vorzubereiten hatte. Wenn die schwarze Flagge gehisst wurde, waren die Piraten mehr auf Lösegeld aus. Zumindest gibt es einen Bericht eines englischen Kapitän Richard Hawkins aus dem 18. Jahrhundert, der diese Unterscheidung von roter und schwarzer Flaggen beschreibt.

So soll es auch vorgekommen sein, dass ein Seeräuberschiff zunächst die schwarze Flagge hisste und so der Gegner noch die Gelegenheit bekam, sich zu ergeben. Wehrte sich dieser, wurde die rote Flagge hochgezogen und ohne Gnade und Rücksicht blutig gekämpft. So wird es zumindest aus dem 18. Jahrhundert berichtet.

Piraten heute


Auch heute sind Piraten ein großes Problem in der Seefahrt. Insbesondere in den Gewässern um Indonesien, in der Straße von Malakka und eben noch im arabischen Meer gibt es aktive Piraten. Diese Seeräuber verzichten aber meist auf eine Piratenflagge, schließlich ist der Überraschungsmoment beim Überfall ein entscheidender, da wäre es nicht hilfreich sich zu früh als Pirat zu erkennen zu geben.

Unter falscher Flagge fahren


Auch früher fuhren Piratenschiffe nicht ständig unter ihrer Piratenflagge. Man führte verschiedene Flaggen an Bord mit. Meist tarnte man sich mit anderen Flaggen, um bloß nicht zu früh aufzufallen oder gar an einen stärkeren Gegner zu geraten. Der Jolly Rogers wurde erst gehisst, wenn die Schlacht unmittelbar bevor stand, das andere Schiff den Seeräubern nicht mehr entkommen konnte und die Schlacht unmittelbar bevorstand. In Schussweite gekommen wurde der Gegner dann aber nicht mehr im Unklaren über sein Schicksal gelassen, die Flagge, die Tot und Verderben bedeutete wurde nun gezeigt. Meist wurde mit diesem Hinweis auch noch ein Warnschuss abgegeben.
Unter falscher Flagge zu fahren war aber auch eine Taktik zur Tarnung, die nicht nur von Piraten verwendet wurde. So wurde der algerische Korsar Hamidu Reis ein Opfer dieses unter falscher Flagge fahren. Ein US-amerikanisches Kriegsschiff hisste im Zweiten Barbareskenkrieg den Union Jack. Mit Großbritannien hatte der algerische Korsar aber keine Auseinandersetzung, im Kriegszustand befand man sich mit den USA. Hamidu Reis bemerkte die falsche Flagge nicht, die Amerikaner konnten sich ungehindert annähern und der Korsarenkapitän starb im Seegefecht vor dem Kap Gata (Cabo de Gata, Provinz Almeria, Spanien).
Siehe auch: Redewendungen Fahne und Flaggen

Die Piratenflagge Sonstiges


Peter Pan und das Piratenschiff


Der Autor J.M. Barrie schrieb die Geschichte von Peter Pan. Darin kommt auch Captain Hook vor, der Gegenspieler von Peter Pan, der Name seines Piratenschiffs ist Jolly Roger und angemalt ist das Schiff in rot-schwarzen Farben.

FC St. Pauli


Seit Mitte der 1980er Jahren verwenden Fans des Hamburger Fußballclubs FC St. Pauli einen Jolly Roger. Zunächst war das Piratensymbol das inoffizielle Vereinslogo, und auch wenn das Wappen des Clubs immer noch ein Stadttor zeigt, ist die Schwarze Flagge mit Totenschädel, gekreuzten Knochen und FC St. Pauli Schriftzug nicht mehr wegzudenken. Das St.-Pauli-Totenkopf-Logo wurde 1996 auch als Marke eingetragen.

Tampa Bay Buccaneers


FC St. Pauli ist nicht der einzige Sportverein, der das Totenkopfsymbol als Logo nutzt. Die Tampa Bay Buccaneers, ein American-Football-Team der National Football League (NFL) aus Tampa, Florida, verwendet als Logo einen Totenkopf mit zwei gekreuzten Säbeln und einem Football darauf. Der Hintergrund dieses Totenkopfsymbols ist karminrot.

Tote Hosen


Die Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen wählten Mitte der 19980er Jahren den Knochenadler auf schwarzem Grund als Bandlogo.

Skull & Bones


Die US-amerikanische Studentenbewegung Skull & Bones, gegründet 1832 an der Yale University, verwendet in ihrem Logo Schädel und gekreuzte Knochen. Kein Wunder, bedeutet doch Skull & Bones Schädel und Knochen. Zum Logo gehört auch noch die Zahl 322.

Independence Day


Im Film Independence Day von 1996 fliegt David Levinson (Jeff Goldblum) zum Mutterschiff der Aliens, um dieses mit einem Virus zu infizieren. Die Datei, die er dazu hochlädt, trägt den Namen jollyroger.exe und kurz bevor der Virus zuschlägt erscheint das Bild eines lachenden Totenkopfs mit gekreuzten Knochen.

Rote Flaggen als Piratenflaggen


Im arabischen Meer waren bereits im 19. Jahrhundert Piraten weit verbreitet. Diese fuhren unter einer roten Piratenflagge. Dies führte auch dazu, dass der Staat Bahrain dazu angehalten wurde, seine ursprünglich komplett rote Flagge zu ändern. Zu groß war, so jedenfalls die Meinung der Royal Navy, die Gefahr, diese Nationalflagge mit der roten Piratenflagge zu verwechseln, die damals im Arabischen Meer vorherrschte. Bahrain fügte seiner roten Flagge noch einen weißen Streifen hinzu. Flagge Bahrain Flagge Katar



 


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